Profitipps
Profitipp 11.03.10
Hydrokultur Teil 1
Hydrokultur ist kein Zauberwort, mit dessen Hilfe man sich jeglichen Pflegeaufwand in Zusammenhang mit Zimmerpflanzen ersparen kann, aber in vielen Fällen kann Hydrokultur die Pflege erleichtern und den Pflanzen geregelte Lebensbedingungen verschaffen. Dieses erdlose Kulturverfahren ist trotz laufender Verbesserung kein Ersatz, sondern eine Alternative zur Erdkultur.
Vorteile
- Besonders dort zu empfehlen, wo keine geregelten Pflegebedingungen möglich sind, z. B. in Büros und öffentlichen Gebäuden.
- Durch den großen Wasser- und Nährstoffvorrat sind gleichmäßige Wachstumsbedingungen gewährleistet – natürlich ordnungsgemäße Anwendung vorausgesetzt!
- Regelmäßig gut versorgte Hydropflanzen müssen selten umgetopft werden – falls die Gefäße von Anfang an ausreichend groß bemessen wurden.
- Vereinfachung der Pflege z. B. bei Ampelpflanzen und insgesamt größere Sauberkeit.
- Es besteht die Möglichkeit, Arten mit unterschiedlichen Wasser- und Nährstoffansprüchen zusammen zu pflanzen – sofern die Licht- und Temperaturbedürfnisse passen.
- Dekorative Gruppenpflanzungen erzielen eine gute optische Wirkung, verbessern das Kleinklima (wirkt sich positiv auf die Pflanzen aus) und erhöhen die Luftfeuchtigkeit im Raum (wirkt sich positiv auf die Menschen aus).
Nachteile
- Beschränkung des Pflanzensortimentes, da sich nicht alle Pflanzen für die Hydrokultur eignen.
- Für Hydrokultur geeignete Pflanzen müssen in speziellen Kulturverfahren kultiviert werden, brauchen Spezialzubehör und sind somit hochpreisiger als Pflanzen in Erdkultur.
- Umgepflanzt wird zwar seltener, ist jedoch schwieriger – Gefahr der Wurzelverletzung!
- Das „Substrat“ Wasser hat neben vielen positiven Eigenschaften gegenüber Erden den Nachteil der geringeren Pufferwirkung, sodass Nährstoffstörungen schwerwiegende Folgen haben können.
- Durch Gruppenpflanzungen droht die Gefahr der Überfrachtung und Konkurrenzbildung.
Eine geringere Krankheitsanfälligkeit bei erdloser Kultur ist nicht zu bestätigen. Durch optimale Bedingungen, die jedoch auch in Erdkultur erreicht werden können, haben Schädlinge insgesamt geringere Angriffsmöglichkeiten. Gerade im Wurzelbereich kommt es durch unsachgemäße Behandlung leicht zu Fäulnis.
Der Vorzug optimaler Wachstumsbedingungen stellt sich bei der Hydrokultur auch nicht von selbst ein. Genaue Beachtung aller Regeln und Beobachtungen der Pflanzen ist Voraussetzung, denn jede „Automatik“ hat ihre Tücken.
Als Haltesubstrat für die Wurzeln dient Blähton. Das leichte, poröse Tongranulat lässt den notwendigen Luftaustausch zu. Vor Gebrauch muss der Blähton durchgewaschen werden. Später, mindestens einmal im Jahr, gut durchspülen. Das Wasser hat die Aufgabe, Nährstoffe verfügbar zu machen und Luftfeuchtigkeit zu erzeugen.
Die Nährstoffversorgung
Das Ionenaustauschverfahren mit Langzeitwirkung: Mineralstoffe, insbesondere Kalk aus dem Leitungswasser, werden gebunden und im Austausch dafür pflanzenverfügbare Nährstoffe abgegeben. Der Wirkstoff Lewatit HD5, auf den es hier ankommt, wird in verschiedenen Varianten angeboten. U.a. auch als „Nährstoffbatterie“.
Das Ionenaustauschverfahren funktioniert optimal bei einer Wasserhärte von mindestens 8-10° dH. Zusätzlicher Vorteil dieser „Nährstoffbatterie“ ist, dass Sie das Gefäß nicht ständig reinigen müssen, sondern nur nachfüllen oder nach 4–6 Monaten die Batterie austauschen.
Wie bei der Erdkultur auch ist im Winter die Nährstoffkonzentration zu verringern. Von Oktober/November an sollte möglichst keine Düngergabe erfolgen.
Im Normalfall besteht ein Hydrogefäß aus einem Übertopf und einem durchbrochenen Kunststoffeinsatz – dem Kulturtopf. Zwischen beiden Töpfen muss noch genügend Platz bleiben. Die Nährlösung sollte im Durchschnitt höchstens 1/3 der Topfhöhe einnehmen. Bei der Übertopf-Auswahl kommt es auf die Materialqualität an. Es eignet sich nicht jeder beliebige Übertopf dafür.
Von seiner Funktionalität hängt das Leben der Pflanzen ab. Darum sollte man besonders darauf achten und kein Wasser nachfüllen ohne gleichzeitig die Pflanze zu beobachten.
Weiteres Zubehör wie Kletterhilfen sollten nur aus Kunststoffmaterialien hergestellt sein und nicht aus organischem (z. B. Kokos- oder Moosstäbe), denn damit werden Fäulniserreger in die Lösung gebracht.
Pflege
Ein Wasserstandsanzeiger hat drei Markierungen: Minimal – Maximal – Optimal. Der Maximalstand sollte nur erreicht werden, wenn die Pflanze sehr hell und warm steht, also viel Wasser verbraucht – das hängt natürlich auch von der Pflanze ab. Bei längerer Abwesenheit kann ebenfalls in Ausnahmefällen auf den Höchststand aufgefüllt werden. Meistens gilt die mittlere Markierung als das Optimum. In den Wintermonaten und bei Kakteen oder Pflanzen, die halbschattig stehen, sollte der Wasserstand noch niedriger gewählt werden.
Zu den wichtigsten Regeln der Hydrokultur zählt, dass der Wasserstand spätestens nach 3-4 Wochen abgesunken sein muss.
Beim Absinken des Wasserstands auf den Minimalstand warten Sie einige Tage mit dem Nachfüllen von frischem Wasser ab, bei großen Gefäßen ca. eine Woche. Damit erhalten die Wurzeln den notwendigen Sauerstoff – vergleichbar mit einer gut durchlüfteten lockeren Erde. Zum Wurzelwachstum genügt bereits eine erhöhte Luftfeuchtigkeit. Wurzeln müssen nicht ins Wasser reichen.
Die Nährlösung sollte eine Temperatur zwischen 18 und 25 Grad haben, sie sollte nie unter 15 Grad absinken.
Umstellung von Erd- auf Hydrokultur: Hydropflanzen entwickeln ganz ein anderes Wurzelsystem, diese Wasserwurzeln haben viel längere Härchen als Erdwurzeln. Will man Erdpflanzen auf Hydrokultur umstellen, so dauert es etwa 2-4 Wochen, bis sich die Wasserwurzeln gebildet haben. Die Pflanze wird durch die Umstellung jedoch geschwächt. Daher sollten Sie sie durch eine Folienhaube vor Verdunstung schützen.
Mit jungen Pflanzen gelingt eine Umstellung immer leichter als bei älteren (während der Wachstumsphase). Die Erdwurzeln müssen besonders sorgfältig lauwarm ausgewaschen – von der Erde gesäubert werden, damit es nicht zu Fäulnis der organischen Bestandteile kommt. Kürzen Sie Wurzeln und Triebe ein. Der Wasserstand und die Nährstoffmenge sollte ganz niedrig gehalten werden, bis sich die neuen Würzelchen gebildet haben. Setzen Sie die Pflanzen auf keinen Fall zu tief ein!
Umpflanzen: Beim Umpflanzen der Hydrokulturen sollte immer ein großer Topf gewählt werden. Schneiden Sie beim Umtopfen den alten Gittertopf (Kulturtopf) auf, damit Sie möglichst wenig Wurzelwerk verletzen.
Standortwahl und Himmelsrichtung der Pflanzen
Nordseite (Nordwest bis Nordost)
Vorzüge: ohne abdunkelndes Gegenüber alle Vorzüge des „lichten Schattens“ und ausgeglichene Temperatur. Beste Lage für alle Schattenpflanzen inklusive den Bewohnern des tropischen Regenwaldes. Keine Schattierung erforderlich.
Nachteile: zu tiefer Schatten durch dichte Bäume oder hohe Häuser kann Tageslichteinfall pflanzenschädigend vermindern. Ein Ausgleich durch Kunstlicht ist möglich. Bei Standort in ausgesetzten Lagen vor allem Untertemperaturen der Nährlösung vermeiden. Schützen Sie an diesen Standorten Pflanzen vor Unterkühlungsschäden durch „kalte Füße“ z. B. durch Isolierung von Mauerwerk und Fenstern.
Ostseite (Nordost bis Südost)
Vorzuge: Fenster der milden, wachstumsfördernden Morgensonne. Bietet in der mehr nördlichen wie in der mehr südlichen Hauptrichtung weiten Spielraum für die Zusammenstellung schöner und dauerhafter Pflanzengruppen. Gut für alle Pflanzen mit halbschattigen Standortansprüchen. Bester Platz zum Eingewöhnen von frisch umgestellten Pflanzen, Stecklingen und neu gekauften Pflanzen.
Nachteile: bei nördlichem Einschlag manchmal als Wetterseite kälteanfällig. Bei stärkerem Sonneneinfall Schattierung notwendig. Schutz gegen intensive Wintersonne, solange schattenspendende, nur sommergrüne Außenbepflanzung unbelaubt ist.
Westseite (Südwest bis Nordwest)
Vorzüge: nur die mehr der Nordrichtung angenäherten Lampen bieten mit den langen Strahlen der Spätnachmittags- und Abendsonne gute Pflegemöglichkeiten für Pflanzen mit hohem Licht- und Wärmebedarf.
Nachteile: reine Westlage und Westlage mit südlichem Einschlag ergeben bei voller Sonneneinstrahlung ungefähr die gleichen Misshelligkeiten durch Aufheizen der Scheiben und nächtliche Abkühlung wie die Südlagen. Die der Nordrichtung angenäherten Westlagen sind häufig Wetterseiten wie der Norden. Kein Standort für geschwächte Pflanzen und Jungpflanzen.
Südseite (Südost bis Südwest)
Vorzüge: Außer der längsten Tageslichtdauer und der größten Helligkeit keine.
Nachteile: ohne eine pünktlichst bediente Schattierung nur bei bedecktem Himmel ungefährlich für die Pflanzen. Volle Besonnung selbst für Kakteen und andere Sukkulenten aus dem Wüstenklima wegen zu starken Aufheizens der Scheibe unerträglich. Bei Winterwetter sehr hohe Unterschiede zwischen Tages- und Nachttemperaturen: hat „kalte Füße“ zur Folge.
Wichtig: regulierbare Schattierung außen anbringen. Ständige zu dichte Schattierung wirkt sich schlimmer als der schattigste Norden aus.
Blühpflanzen die besonders gut für Hydrokultur geeignet sind: die Sinnblume (Aeschynanthus-Arten), die Flamingoblume (Anthurium-Arten), die Spitzenblume (Ardisia-Arten), das Riemenblatt (Clivia-Arten), der Christusdorn (Euphorbia milii), die Wachsblume (Hoya-Arten), das flammende Kätchen (Kalanchoe blossfeldiana), das Usambaraveilchen (Saintpaulia-Arten), die Blattfahne (Spathiphyllum)
Grünpflanzen die besonders gut für die Hydrokultur geeignet sind: der Kolbenfaden (Aglaonema-Arten), der Elefantenfuß (Beaucarnea recurvata), die Korbmaranthe (Calathea), die Grünlilie (Chlorophytum), die Klimme (Cissus), der Wunderstrauch (Codiaeum), die Keulenlilie (Cordyline), das Dickblatt (Crassula arborescens), der Palmfarn (Cycas revoluta), die Dieffenbachie (Dieffenbachia), die Neukaledonische Strahlenaralie (Schefflera elegantissima), der Drachenbaum (Dracena), die Efeutute (Epipremnum), die Wolfsmilch (Euphorbia), der Gummibaum (Ficus), der Efeu (Hedera), das Fensterblatt (Monstera deliciosa), der Zwergpfeffer (Peperomia), der Philodendron (Philodendron), die Fiederaralie (Polyscias), der Bogenhanf (Sansevieria trifasciata), die Strahlenaralie (Schefflera), die Purpurtüte (Syngonium), die Dreimasterblume (Tradescantia), die Palmlilie (Yucca)
Farnpflanzen die besonders gut für Hydrokultur geeignet sind: der Frauenhaarfarn (Adiantum), der Vogelnestfarn (Asplenium nidus), der Schwertfarn (Nephrolepis exaltata)
Palmen die besonders gut für Hydrokultur geeignet sind: die Bergpalme (Chamaedorea elegans), die Arecapalme (Chrysalidocarpus lutescens), die Kentia-Palme (Howea), die Dattelpalme (Phoenix)
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Autor: Bettina Rubrik: Zimmerpflanzen Stichworte: Hydrokultur Einen Kommentar schreiben Kommentare anzeigen (0) |
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