Im Wohnzimmer der Weihnachtsbäume

In Weiten nahe Melk liegt Mitte November bereits der erste Schnee. Auf den Feldern kann man die grünen Spitzen des Wintergetreides gerade noch erkennen, auf den Zweigen der Tannen und Fichten haben sich schon dicke Flockenpolster gebildet. Für Silvia und Hans Haselmayr sind das die stillsten Tage des Jahres.

Pflege das ganze Jahr

Silvia und Hans Haselmayr sind Christbaumbauern im niederösterreichischen Waldviertel. Das ganze Jahr über pflegen sie ihre Tannen und Blaufichten, bevor sie zu bellaflora kommen und dann am Heiligen Abend den Duft und das Grün des Waldes in Österreichs Wohnzimmer bringen.

Seit dem Frühjahr waren die beiden fast täglich in ihrem Wald. Ihre Arbeit beginnt sobald der Frost endet. Dann setzen sie die ersten Sämlinge: kleine Bäumchen, die schon drei oder vier Jahre alt und doch erst 15 cm hoch sind. Sie stehen dann in langen Reihen entlang der sanften Hügel, mit genügend Abstand um zu wachsen und um die Menschen auf kleinen Wegen durchzulassen. 5.000 Bäumchen können so auf einer Fläche von einem Hektar zu einem großen Christbaum heranwachsen.

Weil die kleinen Bäumchen zunächst aber noch viel Licht bis zum Waldboden durchlassen, breitet sich bald das erste Gras aus. Rund um die zarten Stämmchen schneiden Silvia und Hans das Gras händisch weg, denn die Nährstoffe des Bodens sind allein für die Bäumchen da. Nur auf den Wegen können die beiden mit Motormähern arbeiten. Dann ist es für kurze Zeit laut im Christbaumwald.

schmetterlingsfreundliche Blühstreifen

Das Gras und die Beikräuter werden beim Mähen gehäckselt und bleiben als wertvolle Mulchschicht zurück. Sollte der Boden zusätzlichen Dünger benötigen, erkennt Hans das an den Bodenproben, die er regelmäßig entnimmt.

Genau so regelmäßig kontrollieren er und Silvia auch, ob es den Nützlingen im Wald gelingt, die Schädlinge in Schach zu halten. Dazu haben sie Blühstreifen rund um ihren Wald angelegt, wo besonders bienen- und schmetterlingsfreundliche Sträucher und Wiesenblumen wachsen – eine Einladung an alle Bienen, Schmetterlinge, Florfliegen und ihre fliegende Verwandtschaft. Pflanzenschutzmittel kommen nur sehr sparsam zum Einsatz, und nur wenn es unbedingt sein muss. Welche Mittel das sein dürfen, ist seitens der ARGE NO Christbaum streng geregelt. Auch bellaflora gibt im Rahmen des eigenen Pestizidreduktionsprogramms klare Richtlinien vor.

Schutz vor tierischen Besuchern

Rund um den Christbaumwald haben die Haselmayrs einen Wildzaun errichtet, der die heranwachsenden Bäumchen vor dem Appetit hungriger Rehe schützt. Im Sommer sind die hübschen Waldbewohner allein unterwegs, aber im Winter schließen sie sich gern zu einem Rudel zusammen, zu einem Sprung, wie der Jäger das nennt. Versucht so ein Sprung seinen Hunger in einem Christbaumwald zu stillen, richtet er großen Schaden an. Besonders im Frühjahr, wenn die Bäumchen zu wachsen beginnen, der Saft in den Rinden steigt und die ersten Wipfel sich bilden, sind Fichten und Tannen ein wahres Festmahl für die braunen Vierbeiner.

Selbst vor den leichtgewichtigen Vögeln müssen die angehenden Christbäume ein wenig geschützt werden. Die gefiederten Freunde lassen sich nämlich bevorzugt auf den Spitzen der Tannen und Fichten nieder und beschädigen damit deren zarten Knospen. Also befestigen die Christbaumbauern kurzerhand kleine Stäbe an den Spitzen, die wie Windräder aussehen. Die Vögel nehmen auf diesen Stäben Platz, weil sie damit noch ein bisschen höher sitzen, und alle sind zufrieden. Die Bäumchen können gerade wachsen und die Vögel sich in aller Ruhe über Käfer und kleine Würmer hermachen.

Für richtige Form

Weil stark wachsende Bäumchen viele Nährstoffe brauchen, wird im Sommer wieder gedüngt. Das ist auch die Zeit, in der die verkaufsfähigen Bäume ausgesucht werden. Bis ein Bäumchen zum zwei Meter hohen Christbaum heranwächst, können gut und gern zehn Jahre vergehen. In diesen zehn Jahren wird er immer wieder in Form gebracht, schließlich wachsen seine Äste nicht von alleine in einem Abstand, der das Dekorieren mit Glaskugeln und Strohsternen vorbereitet.

Da müssen Silvia und Hans Haselmayr schon nachhelfen: „Einzelne Äste schienen wir, andere bringen wir mit Klammern in Form, und wieder andere schneiden wir aus. So fördern wir einen regelmäßigen und dichten Wuchs.“ Ist ein Baum reif für den großen Auftritt, wird er kategorisiert und etikettiert. Die Äste am unteren Ende des Stammes werden geschnitten, sodass er später für die Montage im Christbaumständer angespitzt werden kann. Ab Anfang Dezember bilden die Bäume von Hans und Silvia Haselmayr gemeinsam mit denen anderer dann bei bellaflora den größten Christbaumwald Österreichs. „Wir arbeiten das ganze Jahr über für Menschen, die für sich, ihre Familie und ihre Freunde ein schönes Weihnachtsfest gestalten wollen“, ist Silvia Hasselmayr stolz auf ihre Arbeit.

Für einander da sein

Ulrike Lendl ist Obfrau des Vereins ARGE NÖ Christbaum, selbst Christbaumbäuerin und beliefert bellaflora seit vielen Jahren. Sie weiß aus langjähriger Erfahrung sehr genau, wie viele Arbeitsschritte notwendig sind, bis ein kleiner Steckling zu einem stattlichen Christbaum heranwächst. „Unsere Mitgliedsbetriebe sind Familienunternehmen in Ober- und Niederösterreich. Die Arbeit eines Christbaumbauern lässt sich nicht maschinell erledigen, für die vielen Handgriffe im Wald brauchen wir viele Mitarbeiter.“ Deshalb sind die Christbaumbauern wichtige Arbeitgeber in ihren Regionen.

Die Unternehmer treffen sich auch regelmäßig, um Erfahrungen auszutauschen und einander Hilfestellung zu geben. Eines der großen Themen, das sie in den letzten Jahren stark beschäftigt, ist der Klimawandel. Der späte Frost im Frühjahr und der geringe Niederschlag im Sommer 2018 haben erhebliche Schäden in ihren Wäldern verursacht. Unterstützung erhalten sie dabei auch von bellaflora. Die Grüne Nummer 1 ist selbst Gründungsmitglied des vor vier Jahren geschaffenen Verbands und damit der österreichweite Handelspartner für die ober- und niederösterreichischen Familienbetriebe.

Im Wohnzimmer der Weihnachtsbäume - Pflege

 

 

Im Wohnzimmer der Weihnachtsbäume - Werkzeuge