Wenn Pflanzen auf Beutezug gehen

Sie klingen friedlich: zum Beispiel Sonnentau, Kannenpflanze oder Schlauchpflanze. Das Besondere an ihnen? Fleischfressende Pflanzen, auch Karnivoren genannt, haben ganz besondere Strategien entwickelt, um an ihren meist nährstoffarmen natürlichen Standorten zu wachsen.

Zusätzlich zu ihrer Versorgung über Wurzeln und Photosynthese fangen viele Arten kleine Tiere wie Insekten. Aus ihrer Beute können sie zusätzliche Nährstoffe aufnehmen, die an ihren natürlichen Standorten oft nur begrenzt verfügbar sind.

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Sobald eine Fliege, Mücke oder ein anderes kleines Tier in eine ihrer Fallen gerät, zeigt sich, wie unterschiedlich diese Pflanzen vorgehen. Mal wird geklebt, mal gerutscht und bei der Venusfliegenfalle sogar zugeschnappt.

Besonders spannend ist die Venusfliegenfalle. Sie gehört zur Familie der Sonnentaugewächse und fällt mit ihren charakteristischen Klappfallen sofort ins Auge. Da lässt sich schon erahnen, woher ihr Name kommt …

Karnivoren leben fast auf der ganzen Welt!

Fleischfressende Pflanzen sind mit zahlreichen Arten und Gattungen in vielen Regionen der Erde verbreitet. Sie kommen in ganz unterschiedlichen Lebensräumen vor – besonders häufig dort, wo Böden nur wenige verfügbare Nährstoffe bieten.

Verführung pur - ganz schön clever, diese Pflanzen!

Fleischfressende Pflanzen nutzen je nach Art ganz unterschiedliche Fangmethoden. Manche Fallen arbeiten mit auffälligen Farben, Nektar oder glänzenden Oberflächen, andere erinnern an kleine Wasserbecken. Gerät ein geeignetes Beutetier in die Falle, wird es je nach Pflanzenart festgehalten oder kann aus der Falle nur schwer wieder entkommen.


Und das Spannende: Die verschiedenen Fangmechanismen zeigen, wie unterschiedlich sich Karnivoren an ihre jeweiligen Lebensräume angepasst haben. Die Welt dieser Pflanzen ist gruselig, aufregend und voller Überraschungen!

Die Grubenfalle – einmal abgerutscht, wird’s schwierig!

Sarracenia

Kannen- und Schlauchpflanzen nutzen sogenannte Grubenfallen. Je nach Art können unter anderem auffällige Farben und Nektar dazu beitragen, kleine Beutetiere anzulocken. Gelangen diese an den Rand der Falle, können glatte oder rutschige Oberflächen dafür sorgen, dass sie ins Innere geraten und nur schwer wieder herauskommen.


Kannenpflanzen sind vor allem aus tropischen Regionen bekannt. Zahlreiche Arten kommen unter anderem in Südostasien vor. Im Inneren ihrer Kannen befindet sich Flüssigkeit, in der gefangene Beutetiere festgehalten und mithilfe von Verdauungsenzymen zersetzt werden. Die dabei frei werdenden Nährstoffe kann die Pflanze anschließend aufnehmen.

Und selbst in diesen Fallen gibt es erstaunliche Spezialisten: Auf Borneo leben Ameisenarten, die mit bestimmten Kannenpflanzen in enger Beziehung stehen. Sie können sich an den Kannen bewegen und dabei sogar an Beutetiere gelangen, die in die Falle geraten sind.

Die Klebefalle – Insekten bleiben einfach hängen!

Drosera

Der Sonnentau sieht auf den ersten Blick harmlos aus – seine Blätter glitzern im Licht, als hätte jemand Morgentau darauf gestreut. Doch Achtung: Bei den glänzenden Tropfen handelt es sich nicht um Wasser, sondern um klebriges Fangsekret.

Die Blätter des Sonnentaus sind mit zahlreichen kleinen Tentakeln besetzt, an deren Spitzen die charakteristischen Tröpfchen sitzen. Gerät ein kleines Insekt auf die Blattoberfläche, kann es am klebrigen Sekret haften bleiben.

Durch die Bewegungen der Beute werden bei vielen Sonnentauarten weitere Tentakel angeregt, sich in Richtung des gefangenen Tieres zu bewegen. Je nach Art kann sich dabei auch das Blatt um die Beute wölben. Anschließend beginnt die Pflanze, die Beute mithilfe von Verdauungsenzymen zu zersetzen und daraus Nährstoffe aufzunehmen.

Die Klappfalle – blitzschnell zugeschnappt!

Dionaea muscipula

Die Venusfliegenfalle ist wohl eine der bekanntesten fleischfressenden Pflanzen. Ihre charakteristischen Fangblätter bestehen aus zwei Blatthälften, deren Rand von langen Borsten gesäumt wird.

Auf der Innenseite der Falle sitzen feine Fühlborsten. Werden diese innerhalb kurzer Zeit mehrfach berührt, kann die Falle blitzschnell zuschnappen – zack, gefangen! Durch diesen Mechanismus reagiert die Pflanze nicht auf jede einzelne Berührung.


Gut zu wissen!
Ein Fangblatt kann sich im Laufe seines Lebens mehrmals öffnen und schließen. Wie oft das möglich ist, hängt unter anderem davon ab, ob tatsächlich Beute gefangen und verdaut wird. Nach mehreren Fang- und Verdauungsvorgängen kann das einzelne Fangblatt absterben, während die Pflanze neue Blätter bildet.

5 Pflegetipps für deine fleischfressende Pflanze

• Tipp 1: Auf die Luftfeuchtigkeit achten

Wie hoch die Luftfeuchtigkeit sein sollte, hängt von der jeweiligen Art ab. Besonders tropische Kannenpflanzen bevorzugen eine höhere Luftfeuchtigkeit. Andere Karnivoren wie die Venusfliegenfalle haben dagegen andere Ansprüche und benötigen nicht automatisch ein Terrarium oder Minigewächshaus.


• Tipp 2: Der passende Standort
Viele fleischfressende Pflanzen mögen einen hellen Standort, die genauen Lichtansprüche unterscheiden sich jedoch je nach Art. Venusfliegenfallen bevorzugen beispielsweise viel Licht, während bei Kannenpflanzen, Sonnentau oder Fettkraut die jeweilige Art berücksichtigt werden sollte.

Einige Karnivoren können den Sommer auch im Freien verbringen. Ob sie im Herbst ins Haus geholt werden müssen oder eine Winterruhe benötigen, hängt ebenfalls von der jeweiligen Art ab.


• Tipp 3: Richtig gießen
Viele fleischfressende Pflanzen reagieren empfindlich auf kalkreiches Wasser. Verwende daher möglichst kalkarmes Wasser, beispielsweise Regenwasser. Arten wie Venusfliegenfalle und viele Sonnentauarten können während der Wachstumszeit über den Untersetzer gegossen werden.

Wie feucht das Substrat bleiben sollte und ob zeitweise Wasser im Untersetzer stehen darf, hängt von der jeweiligen Art und Jahreszeit ab. Achte deshalb zusätzlich auf die individuellen Pflegeansprüche deiner Karnivore.


• Tipp 4: Zusätzliches füttern ist nicht notwendig!
Fleischfressende Pflanzen müssen nicht zusätzlich gefüttert werden. Sie kommen auch ohne regelmäßige „Fütterung“ zurecht und fangen bei geeigneten Bedingungen selbst kleine Beutetiere. Verzichte darauf, die Fallen absichtlich mit größeren Mengen an Insekten oder anderen Lebensmitteln zu füttern.


• Tipp 5: Düngen und Substrat beachten
Fleischfressende Pflanzen sind an nährstoffarme Standorte angepasst und benötigen in der Regel keine zusätzliche Düngung. Herkömmlicher Pflanzendünger kann für viele Karnivoren ungeeignet sein.

Beim Umtopfen solltest du ein für fleischfressende Pflanzen geeignetes, nährstoffarmes Substrat verwenden, beispielsweise spezielle Karnivorenerde.

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